Berufsporträt Geomatiker*in

Einblicke in den Arbeitsalltag und die Ausbildung von Aaliah und David, Auszubildende Geomatiker*in im dritten Lehrjahr

Der Beruf des Geomatikers ist sehr vielseitig und spannend. Um einen Einblick in diesen Beruf zu erhalten, haben wir mit Aaliah und David gesprochen, welche im Dezember des letzten Jahres ihre Ausbildung zum/zur Geomatiker*in abgeschlossen haben.

Könntet ihr uns einen Überblick darüber geben, wie ein typischer Arbeitsalltag als Auszubildende*r zum/zur Geomatiker*in aussieht?

Die Auszubildenden arbeiten meist mit eigenen Aufgaben. Im ersten Lehrjahr steht die Vermittlung mathematischer Grundlagen und die Vermessung, im Vordergrund. Zum Beginn des zweiten Lehrjahres wird an einer Python-Schulung teilgenommen, wo das Programmieren gelernt wird, was das Automatisieren von komplexen Prozessen ermöglicht. Im zweiten Lehrjahr wird verstärkt im Tagesgeschäft gearbeitet. Dies umfasst u.a. das Bearbeiten von Datenanfragen, die in ArcMap aufbereitet werden. Kunden erhalten entweder Karten oder DXF-Dateien, die in CAD-Programmen verwendet werden können. Im dritten Lehrjahr als Geomatiker*in werden die Kenntnisse vertieft und Arbeiten im Tagesgeschäft sowie größeren Projekte ausgeführt. Diese Ausbildung bietet eine breite Palette an praktischen Erfahrungen und schafft eine solide Grundlage für eine Karriere in der Geomatik.
 

Wie genau verändert sich euer Arbeitsalltag von Lehrjahr zu Lehrjahr?

Im ersten Lehrjahr liegt der Schwerpunkt auf mathematischen Grundlagen und der Vermessung. Die Auszubildenden machen sich mit Vermessungsinstrumenten vertraut und absolvieren ein zehnwöchiges Praktikum bei einem externen Vermessungsbüro.

Im zweiten Lehrjahr wird verstärkt mit Geografischen Informationssystemen (GIS) gearbeitet. Dazu sind Schulungen zu absolvieren, und praktische Erfahrungen mit dem Programm stehen im Mittelpunkt. Hierbei spielt auch die Python-Schulung eine wichtige Rolle, ebenso stehen die Zwischenprüfungen an. Zusätzlich bietet das externe Praktikum beim Institut für Landes- und Entwicklungsforschung in Dortmund Einblicke in die Kartografie und den Umgang mit Adobe Illustrator. Zudem werden Hospitationen in internen Abteilungen durchgeführt, wie die Liegenschaften, die Wasserwirtschaft oder IT, um das Wissen zu erweitern.

Im dritten Lehrjahr vertiefen die Auszubildenden ihr Wissen und ihre Fähigkeiten. Sie arbeiten an komplexeren Datenanfragen und sind vermehrt in Projekte involviert. Eine Besonderheit ist die Vorbereitungsphase für die Abschlussprüfungen, die ab Oktober beginnen kann, da die Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden kann.
 

Welche Themen und Fächer stehen in eurem schulischen Lehrplan?

Auf dem Lehrplan des Cuno - 2 - Berufskollegs in Hagen stehen spezifische Fächer, wie Geodatenmanagemant, Geodatenerhebung, Geoproduktpräsentation, und Wirtschatslehre. Dazu kommen jedoch auch allgemeine Fächer, wie Deutsch, Mathe, Politik und Religion.
 

Mit welchen Softwaretools arbeitet Ihr und wie setzt Ihr diese im Alltag ein und wie kommen diese in Eurer täglichen Arbeit zum Tragen?

In der Geomatik-Ausbildung werden verschiedene Softwaretools eingesetzt, um Daten zu verarbeiten, Karten zu erstellen und Informationen zu verwalten. Aaliah und David haben uns folgende Tools genannt:

  • ArcMap: ArcMap wird verwendet, um Daten zu bearbeiten und Karten zu erstellen. Dieses Programm spielt eine zentrale Rolle bei der Visualisierung geografischer Informationen und der Erstellung von Karten.
  • ArcKatalog: ArcKatalog wird für die Erstellung und Verwaltung von Datenbanken verwendet. Dieses Tool ermöglicht es den Auszubildenden, Daten effizient zu organisieren und zu verwalten.
  • Georg: Georg dient der Verwaltung von Datenanfragen. Mit diesem Tool können Anfragen von Kunden oder internen Abteilungen effektiv bearbeitet und koordiniert werden.
  • Geograf: Geograf wird hauptsächlich für die Verarbeitung von Daten, insbesondere von DXF-Dateien, verwendet. DXF ist ein Dateiformat, das in CAD-Programmen für die Bearbeitung von 2D- und 3D-Daten verwendet wird.
  • Adobe Illustrator (optional): Gelegentlich wird Adobe Illustrator für die Aufbereitung von Karten eingesetzt. Dieses Grafikdesign-Tool ermöglicht es den Auszubildenden, Karten und Grafiken ansprechend zu gestalten.


Welche Projekte und Aufgaben habt Ihr kürzlich bearbeitet, bei denen ihr diese Programme verwendet habt? Was genau habt ihr mit dieser Software gemacht?

Mitbearbeitung von Höhenkarten für den Deichbruch in Dinslaken: Dieses Projekt erforderte schnelle Maßnahmen, da es darum ging, zu zeigen, wie die Situation vor dem Deichbruch aussah und wie groß der Schaden nach dem Bruch war. Eine Auszubildende hatte die Gelegenheit, das Farbschema der Karten auszuwählen, um die Ergebnisse ansprechend zu präsentieren.

Publikation für die Stadt Essen: In diesem Fall gab es eine externe Anfrage, die sich auf zukünftige Planungen für die Stadt Essen bezog. Das Projekt konzentrierte sich ausschließlich auf diese Stadt, weshalb alle relevanten Maßnahmen im Zusammenhang mit Abwasserkanälen und Gewässern aus dem GIS ausgewählt wurden. Anschließend wurde die Karte in Adobe Illustrator bearbeitet, um die Informationen übersichtlich darzustellen.

Leitungsauskunft für die Stadt Herne zur Erweiterung einer Schule: Ein weiteres Projekt bestand darin, Leitungsauskünfte für die Stadt Herne im Zusammenhang mit der Erweiterung einer Schule bereitzustellen. Hierbei ging es darum, genaue Informationen über die Lage von Versorgungsleitungen und anderen relevanten Faktoren zu liefern, um die Bauplanung zu unterstützen.
 

Wie arbeitet ihr mit Kolleg*innen im Unternehmen und möglicherweise mit externen Firmen zusammen?

In der Geomatik-Ausbildung spielen Kommunikation und Zusammenarbeit eine bedeutende Rolle. Datenanfragen kommen sowohl intern als auch extern, wodurch Kontakte auch zu anderen Unternehmen und Kommunen entstehen. Gelegentlich ergeben sich Rückfragen, die zu Gesprächen führen können, wobei die Hauptkommunikation in der Regel per E-Mail erfolgt.

Wie bereits erwähnt, werden externen Praktika absolviert, bei denen die Auszubildenden somit bei externen Unternehmen arbeiten. Diese Praktika ermöglichen wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt und fördern die Anwendung ihrer Fähigkeiten in realen Umgebungen.
 

Könntet ihr uns Einblicke in die Herausforderungen geben, denen Ihr als angehende Geomatiker*innen begegnet oder begegnet seid?

Die Geomatik ist eine einzigartige Welt für sich. Dies ist keineswegs negativ gemeint, im Gegenteil, sie hat den Charakter einer engen Gemeinschaft. Besonders zu Beginn kann es herausfordernd sein, wenn Fachbegriffe verwendet werden, die einem nicht vertraut sind. Doch mit der Zeit erlernt man diese rasch.

Trotz der anfänglichen Hürden ermöglicht diese Gemeinschaft eine schnelle Eingewöhnung und die Entwicklung eines tieferen Verständnisses für die Fachsprache und die Branche.
 

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten stehen euch während und nach eurer Ausbildung im Unternehmen offen? Und wie könnten eure beruflichen Wege nach der Ausbildung hier bei uns aussehen?

In der Berufsschule eröffnen sich den Auszubildenden interessante Weiterbildungsmöglichkeiten. Bereits zu Beginn des zweiten Lehrjahres besteht die Option, den staatlich geprüften Vermessungstechniker zu absolvieren, was eine zusätzliche Qualifikation darstellt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, bereits im ersten Lehrjahr das KIA-Studium zu beginnen. Hierfür ist jedoch eine Anstellung bei einer Behörde erforderlich.

Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung eröffnen sich verschiedene Studienrichtungen für die Weiterbildung. So können die Absolventen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten durch Studiengänge in Geoinformatik oder Geodäsie (Vermessung) vertiefen.

Bei uns im Haus ist nach der Ausbildung das Übernahmejahr für Auszubildende garantiert, danach besteht die Möglichkeit freie Stellen in den, zur Ausbildung passenden, Abteilungen zu besetzen.
 

Wir bedanken uns bei Aaliah und David für das Interview und wünschen ihnen alles Gute für ihren weiteren beruflichen Werdegang.